Ein Tag aus meinem Studienalltag

Satu hari di Bali… auf deutsch: ein Tag auf Bali

Selemat pagi di Denpasar…

die Sonne scheint bereits in das Zimmer, Hunde bellen und der Hahn kräht, als der Wecker klingelt. Nein ich spreche nicht von Ferien auf dem Bauernhof, sondern von einem Studienaufenthalt in Indonesien.

Unter der Berücksichtigung der Kleiderordnung – lange Hose, schulterbedeckendes Oberteil und geschlossene Schuhe – geht es zur Uni. Aus dem klimatisierten Haus kommend läuft man erst einmal durch eine Art Hitzewand vorbei am „sehr wachsamen“, noch auf einer Bank schlafenden Sicherheitspersonal zu den Rollern und dann ab zur Uni.

Eine kleine, holprige Seitengasse, an deren Straßenrand sich noch ein paar freilaufende Hühner tummeln, führt auf die Hauptstraße, wo sich Roller an Roller aneinanderreihen und den Eindruck eines einzigen Verkehrschaos erwecken. Rote-Ampeln werden hier genau wie Vorfahrt- und Überholregeln nicht sonderlich beachtet. Vorbei an endlosen Schlaglöchern und einigen Tempeln erreicht man endlich auch die Udayana University in Denpasar.

Die ca. 150 Teilnehmer in meinem Studienprogramm stammen neben Deutschland auch aus Finnland, Schweden, den USA, Belgien, Russland, Österreich und Tschechien. Unterrichtet wird auf Englisch in den Fächern International Tourism Management, Business Law and Legal Tradition on Trade and Investment, The Indonesian History, Ethnology, Culture and Customs, Indonesian Language und Indonesian Literature. Neben den Vorlesungen wird das Austauschprogramm mit einigen Exkursionen und Seminaren über die Kultur Balis abgerundet, welche einmal wöchentlich stattfinden. Bei diesen Gelegenheiten können wir beispielsweise balinesische Tänze oder auch die balinesische Schrift hautnah kennenlernen.

Heute steht Indonesian History auf dem Stundenplan, Prof. Dr. I Wayan hält den Unterricht ab. Ein gewöhnlicher Unterrichtstag, zwischen ein paar Finnen und weiteren Europäern, die ebenfalls an der Vorlesung des Austauschprogramms teilnehmen.

Die Unterrichtsräume sind ähnlich wie in Europa mit Einzelbänken und Tafel, aber auch mit Klimaanlage ausgestattet. Die Toiletten dagegen sind eher spärlich eingerichtet.

Nach dem Unterricht geht es endlich in die Mensa. Hinter einer verglasten Theke findet man verschiedene leckere, würzige asiatische Gerichte, welche man nach Belieben wählen kann. Es gibt unter anderem Hähnchen, gefüllte Taschen, typische Reisgerichte aber auch westlich beeinflusste Dinge wie Donuts mit Käse. Die Mensa ist kein Vergleich zu einer deutschen Mensa: sie hat ca. 1/3 der Größe der Mensa der FHVR (an der ich studiere), Ordnung spielt hier keine große Rolle und an der Kasse sitzt täglich ein äußerst netter Mann mit seinem Kleinkind, der durch Kopfrechnen und Taschenrechner die Preise ermittelt. Als Essplatz dienen einfach eingerichtete Sitzmöglichkeiten auf denen man ein überaus leckeres Mi Goreng, für umgerechnet 60 Cent erwerben kann.

Nachdem man seinen Roller auf dem mittlerweile komplett zugeparkten Parkplatz gesucht, gefunden und heraus gezerrt hat, geht es bei inzwischen rund 35 Grad wieder nach Hause.

Der Nachbar gegenüber, der seit Tagen ein Loch in seine Gartenmauer schlägt, hat es wieder gefühlte fünf Steine weitergebracht. Diese bringt er gemütlich mit einem Schubkarren zu seiner nahegelegenen Wiese, auf der seine wohl einzige Kuh weidet. Kühe sind im überwiegend hinduistisch geprägten Bali heilig. Über den Garten zurück ins Haus findet man mittlerweile überall am Boden liegend Opfergaben verteilt – ebenfalls ein Glaubensritual. Die Gaben sind kleine, aus Palmenblättern gefaltete Schälchen, die mit Blumen, Reis und Räucherstäbchen geschmückt sind. Sie sollen Dämonen besänftigen.

Während des Aufenthalts an der Uni, wurden die Betten gemacht, der Boden gekehrt und das Haus auf Vordermann gebracht – so einen Luxus kann man sich als Student in Deutschland leider nicht leisten :-)

Der kaputte Duschkopf ist allerdings immer noch nicht repariert, hier bekommt man auf Nachfrage nur ein MAYBE TOMORROW zu hören – der typische Satz, den man während des Auslandssemesters auf Bali von jedem Balinesen, sobald es irgendwas zu tun gibt, immer wieder zu hören bekommt.

Naja, um sich bei der brütenden Nachmittagshitze zu erfrischen, geht es erst einmal kurz in den eigenen Pool – davon kann man in meiner Unistadt wohl nur träumen.

Doch warum stundenlang in einem Pool vergnügen, wenn man den Strand direkt vor der Haustür hat – also auf zum Strand. Da Bali eine Touristenhochburg für Australier ist, fühlt man sich hier wie auf dem australischen Mallorca. Doch anhand der indonesischen Strandverkäufer, die auch heute anwesend sind, merkt man, dass man sich eigentlich in Asien befindet. Sie verkaufen Waren wie Uhren und Sonnenbrillen mit „very good quality“ und „good price just for me“, wie mir immer wieder von ihnen versichert wird. Ich muss gestehen, dass dieser Strand nicht einer der schönsten der Welt ist. Doch Bali bietet noch viele weitere, von denen einige als Traumstrände bezeichnet werden können. Sie sind vor allem im Süden von Bali oder auf den Nachbarinseln, den Gilis, zu finden.

Nach dem Sonnenuntergang, der in Bali bereits um 19 Uhr beginnt, ist erst einmal Abendessen angesagt. Heute geht es in mein favorisiertes “Restaurant“, zu einem Inder, der optisch eher einer schäbigen, etwas heruntergekommenen Ruine gleicht. Hier gibt es ca. 40 verschiedene Gerichte und nur 5 Tische, im Verhältnis hierzu jedoch ca. 8 Mitarbeiter. Diese werde aber aufgrund der gemütlichen Arbeitsweise auch gebraucht. Das Hauptgericht hier ist „Roti Canai“, eine Art Fladenbrot, das es mit verschiedenen Füllungen von pikant bis süß zu bestellen gibt und mit einer scharfen Currysoße serviert wird. Dazu trinkt man üblicherweise „Teh Tarik“ – einen süßlichen Milchtee mit vielen Gewürzen.

Bali bietet aufgrund des ausgeprägten Tourismus sowieso eine große Essensvielfalt. In Kuta kann man balinesische, amerikanische, italienische, thailändische, japanische, griechische und sogar deutsche Küche finden. Klassische Restaurants findet man dabei vor allem in den Touristengegenden. Mit Ausnahme weniger guter Lokale wird man hier jedoch leider oftmals abgezockt und muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen um eher durchschnittliche Geschmackserlebnisse serviert zu bekommen. Neben den Mainstream Restaurants, bietet Bali aber auch viele Garküchen. Diese Warungs sehen auf dem ersten Blick nicht sehr appetitlich aus, beweisen aber das Gegenteil. Hier schmeckt es zu kleinen Preisen überragend. Es kommen frische Zutaten zum Einsatz und man kommt schnell mit den gastfreundlichen Balinesen ins Gespräch.

Nach dem Abendessen geht es wieder ab nach Hause. Noch einmal in einer lauen Sommernacht entspannt die Füße in den Pool hängen und den klaren Sternenhimmel bewundern, und schon ist der Tag vorbei.

Gute Nacht,

Sarah

Auslandssemester auf Bali in Kooperation mit der Udayana University!